Wie Wiwis Forschungsergebnisse gewinnen

Ich bin in die billigste aller Bauernfallen getappt. Ich habe bei der aktuellen Bewerbungspraxis-Studie von Monster.de und den beiden Unis  in Frankfurt und Bamberg teilgenommen. Weil ich halt auf den Lockvogel "iPad zu gewinnen" mal wieder hereingefallen bin.

Nun gut. Es war, wie es meist war bei solchen Umfragen. Wirtschaftswissenschaftler entwickeln eine Umfrage für Wirtschaftswissenschaftler. Und machen damit Politik, was ich unterstelle. Die Grundthesen, die wohl zu dieser Studie geführt haben müssen, lauten: Nur, wer irgendwas mit Wirtschaft studiert hat, wird auch Karriere machen. Und nur Wirtschaftswissenschaftler sind am beruflichen Weiterkommen interessiert. Und nur, wer in einem Unternehmen arbeitet, darf überhaupt mitreden.

Die Studienmacher fragen relativ zu Beginn ab, was man denn studiert habe mit welchem Ergebnis. Dass mein Abschluss "Magister Artium" von vorvorgestern ist und daher nicht aufgeführt wird - geschenkt. Aber dass ganze Wissenschaftsbereiche wie Kultur- und Geisteswissenschaften etwa überhaupt nicht auftauchen, es aber Platz genug für fünf verschiedene wirtschaftswissenschaftliche Spielarten gibt - das spricht Bände und lässt mich Absicht unterstellen.

Was soll das? Wird von den Umfragern vermutet, dass ohnehin nur Wiwis bei der Umfrage mitmachen? Und Geisteswissenschaftler sind ohnehin nicht ernstzunehmen? Haben entweder sowieso keinen Job, keinen Internet-Zugang, oder verdienen ihre ohnehin viel zu üppigen Brötchen sowieso nur im öffentlichen Dienst oder bei der Caritas?

Auch diese politisch beabsichtigte Beleidigung könnte intendiert sein von den Umfragern - schließlich ist immer nur von "Unternehmen" die Rede, bei denen man arbeitet oder für die man sich interessiert, etc. Der schöne und besser passende Begriff "Organisationen" wird von den Umfragen (bewusst?) vermieden - wer an einer Uni beschäftigt ist, bei einer Behörde, bei der Kirche, bei einer Non-Profit-Organisation, bei der Regierung, wird schlicht nicht angesprochen. Ich halte das für keine Haarspalterei. Man muss permanent sehr präzise antworten, ob man etwa voll, sehr, ein bisschen oder nur teils-teils zustimmt. Dann erwarte ich auch eine präzise Frage.

Wer sich also ärgern möchte über eine wirklich plumpe und durchsichtig politisch motiovierte Umfrage, der kann sie ja mal beantworten. Sollte ich wider Erwarten ein iPad gewinnen, spende ich es meinem "Unternehmen", der Stadt.

Statt eines Downloads

Suche seit einiger Zeit nach einem schönen Wordpress-Plugin, mit dem ich eigene PDF-Dateien zum Download anbieten kann. Bislang habe ich kein wirklich tolles gefunden - und ich brauch wohl auch keines mehr, denn es gibt ja Scribd.com und seine Möglichkeit, Dateien zu "embedden". Das "YouTube für Dokumente" zeigt die erste(n) Seite(n) an entweder mit einer coolen Blätterfunktion, als "Diaschau", oder klassisch zum Scrollen. Hab mal meine olle Magisterarbeit im "Buchformat" eingefügt.

Leider hab ich festgestellt, dass die Browser ein wenig ins Schwitzen kommen dabei. Aber ansonsten: Super Sache, die normale "Downloadlinks" wie aus einem anderen Jahrhundert erscheinen lassen. Und: Die Dateien liegen nicht ungelesen auf meinem Server rum, sondern finden bei Scribd.com eine weitaus größere Leserschaft. (Nur die automatischen Readcast-Posts nerven.)

Sollten PR-Berater umfragen?

Eck

Lieber Herr Eck,

jeder gestaltet Umfragen nach seinen Zwecken und Zielen. Deshalb unterstelle ich, dass Sie wirklich nichts anderes abfragen wollen als das durchaus populistisch zu nennende: "Sollen Steuergelder für Twitter verbraten werden?".

Ihre aktuelle Mini-Umfrage ist nämlich derart holzschnittartig, dass ich keine andere Erklärung dafür habe. In der Regel fragen PR-Berater doch erstmal nach Zielen der Kommunikation, nach Zielgruppen, Umständen, etc. Gehen also strategisch ran und lassen das Medium selbst erstmal außen vor.

Diese Umfrage hier ist alles andere als strategisch und vor allem alles andere als hilfreich: Welche Art von Behörde meinen Sie? Welche Inhalte könnte eine Behörde twittern, welche Zielgruppen damit informieren? Welche Ansprache könnte sie finden, welche Publikationsgrundsätze und -rhythmen wären je angemessen?

Hmmm.... Vielleicht müssen wir "Behörden" dringend Basis-PR machen: Wer sind wir, was machen wir?  Bei PR-Beratern scheinen wir wohl nur ein kommunikationsphober homogener Betonblock zu sein... Komisches Image, das wir im 21. Jahrhundert immer noch zu haben scheinen...

Weil's in der Zeitung steht

Das PR-Journal zitiert eine Studie des Journalistenzentrums Wirtschaft und Verwaltung der TU Dortmund unter dem Titel: "Viele Presseinformationen verfehlen ihr Ziel". Und zählt auf, dass fast die Hälfte aller Pressemitteilungen das zuständige Ressort nicht errreichen. Und: 

Die wichtigsten Zielmedien der Pressestellen sind dabei nach wie vor die Tageszeitungen (98%), gefolgt vom Hörfunk (79%) und freien Journalisten bzw. Korrespondenten (73%). Erst dann rangieren nacheinander die Online-Medien (72%), die Nachrichtenagenturen (71%) und das Fernsehen (70%) vor Fachzeitschriften, Anzeigenblättern etc. 

Das deckt sich eklatant mit meiner Einschätzung: Die Zeitung am Ort, das ist "die Presse", an die man Pressemitteilungen jedweder Relevanz schicken kann. An die Fernsehsender traut man sich dann schon nicht mehr so sehr heran, weil man von der Relevanz der eigenen Mitteilungen dann doch nicht mehr so überzeugt ist. Und Blogger kommen in der Aufstellung als eigene Kategorie überhaupt nicht vor, nur: Onlinemedien. An thematisch einflussreiche Blogger denken Pressestellen selten.

Nur was in der Zeitung steht, erscheint wichtig. Und wenn sie in der Zeitung steht, hat die PM ihren Zweck erfüllt. Dass diese "Denke" nicht die allermodernste ist: Wer wollte widersprechen...?

Gleiches "Recht" für alle

Ich rege mich gerade auf. Weil Leute, die im Web 2.0 unterwegs sind, sofort über Unternehmen oder Behörden schimpfen, wenn diese sich nicht an die guten Sitten halten. Und etwa gleich mit Klagen drohen. ganz böse Organisationen seien das, heißt es, und alle nicken brav.

Jetzt kommen mir in wenigen Tagen zwei Social-Web-User unter, die ihrerseits sofort und unkommunikativ damit drohen, die Stadt zu verklagen - einer wollte sein Knöllchen sogar gleich vom Bundesgerichtshof überprüfen lassen.

Leute: Was für uns gilt, gilt auch für Euch. Nur, dass das mal klar ist.

ABC des Journalismus

Biete ab Montag, 30. August, einen Kurs bei der Volkshochschule Frankfurt an: "ABC des Journalismus". Er richtet sich an alle, die - etwa für ihren Verein - Pressearbeit machen wollen/sollen/können und widmet sich nicht nur den klassischen Fragten wie "Wie schreibe ich eine Pressemtteilung?" und "Wann eignet sich ein Thema für eine Pressekonferenz?", sondern erklärt auch, wie Redaktionen ticken und wie man mit Sozialen Medien wie Twitter, Facebook oder dem eigenen Blog an der Presse vorbei direkt die Kommunikation mit der Öffentlichkeit herstellen kann. (Und vor allem erkläre ich, wie man das alles in schön kurzen Sätzen sagen kann ;-))

Hier der Ausschreibungstext: 

Kurstipps aktuell:
ABC des Journalismus

Wie der Aufbau von Artikeln, das Schreiben von Einladungen und die Gestaltung von Pressemappen professionell gelingen und literarische Fettnäpfchen vermieden werden, zeigt Ihnen ein Profi aus dem Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt. Wissenswertes über die Frankfurter Medienlandschaft und Tipps zum Umgang mit dem Internet runden den Einstieg in die schreibende Zunft ab. Auch für Anfänger/-innen geeignet. Sie arbeiten an sechs Abenden im Presseraum des  Presse- und Informationsamts der Stadt Frankfurt am Main.

58,00€ (ermäßigt 29,00€)
Zusatzkosten: € 5 für Kopien (im Kurs zu zahlen)
Mo, 19.00 - 21.15 Uhr
30. Aug. - 04. Okt.

Weitere Informationen erhalten Sie telefonisch bei Miriam Claudi unter 069-212 44093.

Direktlink zum VHS-Programm: https://www.vhs.frankfurt.de/desktopdefault.aspx/tabid-121/271_read-1530/